??Würselen ist finanziell nahezu am Ende. Ungezügelt und blauäugig hat die Stadt jahrelang über die Einnahmen hinweg gelebt. „Große Stadtentwicklung“ – natürlich in Würselen Mitte – wie der unglückliche Umbau der Kaiserstraße zur unpraktischen Einkaufsmeile, wie die gerühmten und überteuerten Parkanlagen auf zwei Kalkhalden, die schon nach wenigen Wochen vom Erholungspark zu einen sozial und polizeilich unbeherrschbaren Treffpunkt zu Trinkgelagen verkommen sind, hat sich die Stadt durch den Eigenanteil überregionaler Fördermittel in weitere Verschuldung treiben lassen. Mit dem überkandidelten Kunstprojekt „Granit-Eier im Wurmtal“ wurde in Großer Koalition unter Führung der CDU alles über Bord geworfen, was eine solide Haushaltsführung einer Mittelstadt ausmachen sollte. Diese konsequente Verschuldungspolitik begann mit dem Bau des Spaßbads Aquana unter Führung der SPD, die den Haushalt mit knapp einer Millionen Euro jährlicher Folgekosten knebelt.
Unter diesen Voraussetzungen und in der entsprechenden Stimmungslage der Bürgerinnen und Bürger hat die FDP Wahlkampf geführt. Sie hatte stets gegen alle überzogenen Projekte argumentiert und gestimmt und hatte alle guten Argumente und Vorsätze auf ihrer Seite. In einem klaren Wahlprogramm hat die FDP zu dem Abkehr formuliert, unmissverständlich Sparen angesagt, massive und schmerzhafte Einschnitte in die freiwilligen Leistungen angekündigt und eine Rückführung der Ausgaben und der kommunalen Aufgaben auf das Unabdingbare gefordert. Dieses Programm hat überzeugt! Die FDP zog 2009 mit dem höchsten Stimmenanteil ihrer Geschichte in Würselen mit 5 Abgeordneten in den Rat ein.
Nach nun vier Monaten Verhandlung legten CDU, FDP und Grüne einen Kooperationsvertrag für eine Jamaika-Koalition vor. Der Vertrag liest sich wie das grüne Wahlprogramm. Die FDP konnte den Enthusiasmus eines Neuanfangs nicht in die Ratsarbeit der nächsten 5 Jahre retten. Es geht weiter mit dem Innenstadtumbau, wie die CDU/SPD ihn plante, Hochbebauung auf dem Markt zum Beispiel. Es geht weiter mit Kalkhaldenparks und Wohnumfeld-Verschönerung. Der Vertrag ist schwammig und kaum eine Grundlage für 5 Jahre konsequenter Ratsarbeit.
Die Opposition bezeichnet die Jamaika-Koalition in Würselen inzwischen als „Schwampel“. SPD und UWG haben zwar selbst nichts zu bieten, aber irgendwie gefällt mir dieses Wort für das Würselener Jamaika. Wer es ausspricht, merkt, dass schon viel Atemluft bei „Schw …“ verlorengeht. Und zurzeit ist die Luft halt raus aus der konsequenten liberalen Politik in Würselen. Liberale Politik ist nie „schw …“; nie schwankend, nie schwammig, nie schwach. Liberale Politik ist eine tätige, wache und klare Aufgabe und auch in einer Koalition – egal in welcher Zusammensetzung und egal auf welcher Ebene – eine kämpferische Position. Wer hinter dem letzten Satz ein wenig die Diktion von Dahrendorf vermutet, liegt richtig! Und … Würselen magst ruhig sein. Es gibt sie noch, die konsequent Liberalen in Würselen.